Samstag, 29. Oktober und Sonntag, 30 Oktober 2011
KULTUR IM SCHLOSS HEILIGENBERG konnte nach den sehr erfolgreichen Werkstatt-Konzerten der vergangenen Jahre
beim 5. Festival wieder Weltklasse-musiker präsentieren.
Im Mittelpunkt stand der Klangvergleich der vom Atelier für Streichinstrumentenbau nach alten Vorbildern gebauten Instrumente.
Das letztjährige Thema über die zwei Geigenmacher der alten venezianischen Geigenmacherkunst Matteo Goffriller
und Domenico Montagnana wurde dieses Jahr durch deren Zeitgenossen und Mailänder Geigenmacher Giovanni Grancino ergänzt.
Eine weitere Besonderheit war auch die geschlossene Präsentation der nach den oben genannten Geigenmachern gebauten Ensembles.
So hatte der aufmerksame Zuhörer die Möglichkeit, die klanglichen Einflüsse der unterschiedlichen Geigenbaustile zu erleben.
Lesen Sie hierzu die Kritik von Manuel Stangorra im Darmstädter Echo am 02. November 2011:
www.echo-online.de/freizeit/kunstkultur/musik/konzerte/Altmeisterlich-und-doch-ganz-neu;art8472,2321074Die ungekürzte Kritik von Manuel Stangorra finden Sie weiter unten.
Samstag, 29. Oktober 2011, 20:00 Uhr, Eröffnungskonzert mit
Sebastian Breuninger, 1. Konzertmeister Gewandhaus Leipzig
Barbara Buntrock, ehem. 1. Solobratschistin Gewandhaus Leipzig
Christian Giger, 1. Solocellist Gewandhaus Leipzig
Die Musiker spielten Instrumente nach Matteo Goffriller.
IMPRESSIONEN
Sonntag, 30. Oktober 201111:30 Uhr - Matinée mit
Anke Dill, Prof. für Violine in Stuttgart
Jone Kalinuaite, Prof. für Viola in Saarbrücken
Gustav Rivinius, Prof. für Violoncello in Saarbrücken
Die Musiker spielten Instrumente nach Giovanni Grancino.
IMPRESSIONEN
15:00 Uhr Vortrag über die Festival-Instrumente mit Geigenbaumeister Wolfgang Kury17:00 Uhr - Abschlußkonzert mit dem Mandelring-Quartett
Sebastian Schmidt 1. ViolineNanette Schmidt 2. Violine
Roland Glassl Viola
Bernhard Schmidt Violoncello
Die Musiker spielten Instrumente nach Domenico Montagnana
IMPRESSIONEN
Nachfolgend die ungekürzte Kritik von Manuel Stangorra:JUGENHEIM. Nachbauten alter Meistergeigen der Venezianer Schule um Mattio Goffriller, Domenico Montagnana und Giovanni Grancino beherrschten das 5. Werkstatt-Konzertfestival am Wochenende auf Schloss Heiligenberg. Wie herrlich diese in rund 5000 Arbeitsstunden neuerbauten zehn Meisterinstrumente des ortsansässigen Ateliers für Streichinstrumentenbau der Geigenbaumeister Wolfgang Kury und Caroline Krömmelbein klingen konnten, wurde dem sehr interessierten Publikum in drei Konzerten von erfahrenen Meisterinterpreten – darunter das Mandelring-Quartett, Gustav Rivinius und Sebastian Breuninger - demonstriert. Ein Hochgenuss für alle Sinne! Schließlich durften die Instrumente in den Konzertpausen auch „hautnah“ in Tuchfühlung genommen werden.
Das erste Konzert am Samstag Abend stand im Zeichen von Geigenbauer Mattio Goffriller (1659-1742). In Brixen geboren, heiratete er in die in Venedig lebende, aus Füssen stammende Geigenbauerfamilie Kaiser ein und wurde zum führenden Kopf der Geigenbauerzunft der Serenissima. Auf Schloss Heiligenberg beglückten Sebastian Breuninger (Violine) – Konzertmeister des Gewandhausorchesters Leipzig – und seine Duopartnerin Barbara Buntrock (Viola) zunächst mit W.A. Mozarts Duo für Violine und Viola KV 424. Dabei überzeugte der persönlich gefärbte Klang der Solisten sowie die Absicht, gemeinsam den Linien dieser zarten Komposition nachzuspüren. Exzellent machte sich das intonationsreine, vitale Spiel der Bratschistin. Des Geigers Attitüde ist von sinfonischer Prägung, nicht zuletzt durch seine einstige Mitgliedschaft bei den Berliner Philharmonikern. Erkennbar dabei seine Lust am Fabulieren und Auskosten lyrischer Momente, wie in Ravels Sonate für Violine und Violoncello (mit Cellist Christian Giger), bei der Breuningers leicht exaltierte Spielweise allerdings der Musikintention zuwider lief. Trotzdem, spannend war die Interpretation allemal. Zum Erlebnis avancierte das Streichtrio g-moll op. 69 des Spätromantikers Wilhelm Berger, dessen Flair eine Mischung aus Brahmsschem Ernst und Griegs Duft ausmacht. Die drei Interpreten zauberten Zärtlichkeit in den Saal und glänzten mit ambitioniert aufwühlenden Zusammenspiel. In glücklichster Harmonie wurde die nervige Motorik des Kopfsatzes, die Verflechtungen des von regerscher Dichte erfüllten zweiten Satzes, der rhapsodische Einfallsreichtum im „Sehr lebhaft“, die Schwermut im langsamen sowie die turbulente Heiterkeit im Finale präsentiert.
Der Matinée-Sonntag war den Nachbauten à la Giovanni Grancino gewidmet. Anke Dill (Violine), Jone Kaliunaite (Viola) und Gustav Rivinius (Violoncello) spielten Werke von Mozart, Beethoven und Ravel. Alle drei lehren als Professoren ihre Instrumente in Stuttgart (Dill) beziehungsweise in Saarbrücken an den dortigen Musikhochschulen. Mozarts Duo Nr. 1 für Violine und Viola KV 423 war die ideale Ergänzung zum Vorabend und erlebte eine stilistisch lupenreine Wiedergabe. Ebenso galant daher kam Beethovens „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“ Es-Dur für Viola und Violoncello. Kaliunaite und Rivinius formten daraus ein Schmuckstück. Ihnen gelang es, meist mittels schwieriger Doppel- und Akkordgriffe, dieser Miniatur Leben einzuhauchen. Die beiden brillierten bestabgestimmt und auch mit menschlichen Qualitäten. Besonders unter die Haut ging die Sonate für Violine und Violoncello von Ravel, die Anke Dill mit Gustav Rivinius vorexerzierte. Dabei verzichteten die beiden gänzlich auf Allüren und stellten ihre hohen technischen Qualitäten ganz in den Dienst der Musik, die dadurch einen diamantenen Schliff bekam. Sowohl die werkimmanente Hoffnungslosigkeit wie auch dessen schlillernder Glanz wurden genial gespiegelt. Mozarts sechssätziges Divertimento für Violine, Viola und Violoncello in Es-Dur KV 563 von 1788 war dann der ideale Abschluss eines fast zu umfangreichen Konzertmorgens, der mit Bachs Aria aus den Goldbergvariationen als Zugabe eine Reminiszenz erfuhr.
Last but not least gipfelte die 5. Auflage der Werkstattkonzerte, die noch um einen Vortrag Wolfgang Kurys über die Festival-Instrumente bereichert wurde, im Konzert des Mandelring-Quartetts. Die drei Geschwister Sebastian (Violine), Nanette (Violine) und Bernhard Schmidt (Violoncello) aus Neustadt an der Weinstraße und ihr Bratscher Roland Glassl sind seit über 25 Jahren mit Volldampf auf internationalem Podium in Sachen Streichquartett unterwegs. Ihnen macht musikalisch so leicht niemand ein X für ein U vor. Hier wird in traditionell deutscher Art Kammermusik in Vollendung gepflegt, dem sich kein Hörer entziehen kann. Dicht gedrängt saß das Publikum in den eng gestellten Stuhlreihen des historischen Gartensalons und verfolgte andächtig Beethovens Spätwerk op.132, dem Olymp der Gattung Streichquartett. Da wurde Beethoven durchbuchstabiert, seine Gedanken unterbrochen, angefügt. Der schwankende Redestil das altersweisen Komponisten lag dem Mandelring sehr. Aussagen wurden da verdeutlicht, unterstrichen, auch unisono herausgestrichen. Die Geige Sebastian Schmidts singt vor, es ist manchmal auch eine Zwiesprache des Herzens mit seiner Schwester. Drängen, Loslassen, unabänderliches Schicksal überzieht die Szenerie, die das Quartett beherrscht. Im wallenden „Allegro ma non tanto“ ist es ein Hin – und Her, Vorschnellen, Bremsen, dazu ein lichtes Spiel im Trio, ehe Viola und Violoncello garstig beißen. Schönklang muss nicht immer sein. Der Zweck heiligt die Mittel. Im entrückten „Molto Adagio“ zeigen die vier, welche Erfahrung sie haben mit langsamen Sätzen, über welche Strecken sie fähig sind, eine Spannung aufrecht zu erhalten, Dynamik aufzubauen. Momente des Glücks werden in diesen Takten, die hineinschwenken ins Sakrale, erfahrbar. Dass die Künstler zuvor noch mit Mendelssohns op. 12-Quartett in den Bann gezogen haben, ist angesichts der Leistung im Beethoven schon fast Schnee von gestern. Deswegen heben sie noch einmal an und spielen als Zugabe noch einmal Mendelssohn. Sein „Andante espressivo ma con moto“ aus dem Streichquartett Nr.3 op. 44,1. Hinreißend.
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